Fast wie nach Hause kommen

Montag, 01.09.2014

"Willkommen zu Hause Linda" - es hätte mich wirklich nicht gewundert, wenn ein Banner dieser Art am Flughafen in Darwin für mich gehangen hätte. Natürlich hing dort aber keiner. Überhaupt war nicht viel los um fünf Uhr morgens. Kaum Menschen, keine Flughafenmitarbeiter in Sicht, aber immerhin war das Licht noch an. Ein älteres australisches Ehepaar bot mir sogar an, mich in die Stadt zu fahren, sollte ich noch am Flughafen sein, wenn sie ihren Kaffee ausgetrunken hatten. Endlich wieder in Australien!! Ich liebe die australische Freundlichkeit, die im Gegensatz zur balinesischen keine Bezahlung nach sich zieht, sondern einfach auf Nächstenliebe beruht. Ich lief eine Weile planlos auf dem Flughafengelände herum und fragte eine kleine Gruppe Raucher vor dem Eingang (die einzigen Menschen weit und breit), ob sie wüssten, von wo ein Shuttle Bus in die Stadt fährt. Sie hatten auch keine Ahnung, nun fuhr aber genau in dem Moment ein kleiner weißer Bus vorbei, auf dem fett "Darwin City Shuttle" stand. Ich folgte diesem und gelangte zu einer Traube aus Backpackern und anderen Touristen, die sich etwas schlauer angestellt hatten und bereits am ziemlich offensichtlich angebrachten Schild warteten. Kevin, der Roadtrainfahrer, hatte zwar definitiv recht, als er mir am Telefon mit seiner einfühlsamen Art mitteilte, ich wäre ohne Marei verloren ("you will be fucking lost"), aber irgendwie kommt auch so ein unorganisiertes Wesen wie ich ans Ziel. Dafür musste ich zwar mein sämtliches Bargeld zusammenkratzen, das irgendwo in meiner Tasche mit mir verstecken spielte, aber ich gelangte in meine geliebte Mitchell Street in Darwins Innenstadt. Ich bin wirklich zum vierten Mal in Darwin. Jetzt werden sich viele Leute fragen: "Ja aber Darwin ist doch bloß eine Kleinstadt“... Niemand spricht von Darwin, wenn von Australien die Rede ist. Was hat diese staubige, heiße und oft auch schwüle Arbeiterstadt mit dem viel zu hohen Männeranteil außer plumpen Anmachen denn schon zu bieten? Man kann am Strand nicht schwimmen, die Hostels sind überteuert und außer Party kann man hier nicht wirklich viel machen. Warum nicht viermal nach Sydney zurückkommen, um alle Sehenswürdigkeiten abzuzeichnen oder Kunst, Essen und Musik in Melbourne zum vierten Mal genießen?" - Alle diese Leute haben Recht. Aber ich liebe Darwin. Es ist die Hauptstadt des Northern Territorys (NT), es gibt ein paar richtig gute Pubs und wenn man, egal welcher Wochentag ist, die ganze Nacht durchtanzen möchte, hat man auch die Möglichkeit dazu. Mir gefällt, dass Darwin keine glamuröse Großstadt wie Sydney ist oder sich mit großartiger Kunst und extravaganten Restaurants rühmt wie Melbourne. Darwin macht sich nicht größer, als es ist. Mir gefallen die Schlagzeilen der NT Zeitung, die in riesigen schwarzen Lettern die komplette erste Seite einnehmen "Woman attacked by bat", "Snake joins couple in bridal car" oder "Dumb crime cough through selfie" Wir reden von brandaktuellen Schlagzeilen. Ich sag nur Titelseite! Sowas passiert einfach nur hier. Seit gestern habe ich sogar noch komplett neue Ecken entdeckt. Ich weiß wirklich nicht, warum Marei und ich nie an der Waterfront bei der Lagoone waren. Superschön. Hier gibt es Quallennetze und einen Lifeguard, also kann man sogar schwimmen gehen.
Das erste bekannte Gesicht, dem ich begegnete, gehörte dem vermeintlichen Australier Phil, den ich bei meinem ersten Aufenthalt in Darwin kennen gelernt hatte. Ich ging davon aus ihm durch meine ständigen Zurückweisungen das Herz gebrochen zu haben. Er schien es aber auch noch nicht ganz verstanden zu haben. Und wie das so ist mit Leuten, die man eigentlich nicht wiedersehen will... Man trifft sie immer und immer wieder. Jedes Mal! Marei und ich hatten sogar "Bombenalarm" eingeführt (sobald eine von uns jemanden sieht, den mindestens eine von uns nicht sehen will, ruft sie "Bombenalarm" und wir ducken uns, um anschließend so schnell wie möglich durch die Menge abzuhauen). Naja, Marei war leider nicht mehr da, um mich zu warnen und so lief ich geradewegs in ihn hinein. In diesem Fall war das aber sogar ziemlich nützlich, denn ich fand heraus, dass Phil überhaupt gar kein Australier ist, sondern Deutscher und er definitiv kein gebrochenes Herz hat, sondern nur eine ziemlich lahme Anmachmasche. Na, da kann sich mein Gewissen ja zurücklehnen.
Darwin wird vielleicht niemals eine riesige Attraktion Australiens, aber ich fühle mich hier zu Hause (so verrückt das auch klingen mag) und bin wirklich traurig, dass ich es morgen zum vierten und vorerst letzten Mal verlassen werde.

Auf ins rote (eiskalte) Herz Australiens

Samstag, 05.07.2014

Wir trafen uns mit unserer deutschen Reisegruppe morgens um fuenf im Shenannigans Pub, um das Fussballspiel Deutschland gegen Ghana zu sehen. Ich verstehe wirklich nicht, warum die Idioten in Brasilien die Spiele auf diese bescheuerten Zeiten legen. Klar, Australier interessieren sich nicht fuer Fussball, aber hier sind doch eh fast nur deutsche Backpacker unterwegs. Wer denkt an uns? Wir muessen uns hier die Naechte um die Ohren schlagen, obwohl einige von uns am Morgen arbeiten muessen oder irrsinnig frueh aufstehen und das erste Bier noch vor dem Fruehstueck kippen. Marei und ich haben natuerlich durchgemacht. Koennen ja tagsueber im Auto schlafen. Dementsprechend sind wir waehrend des Spiels auch fast eingepennt. Und das Spiel zog sich endlos in die Laenge. Unsere Reisegruppe besteht aus Janne, der sich seit acht Monaten nicht mehr die Haare gekaemmt hat, Fabian und Simone.

Und dann ging es endlich los. Auf ins rote Herz Australiens. Die Autofahrt verging wie im Schlaf, was daran liegen koennte, dass ich tatsaechlich ueberwiegend geschlafen habe. Unseren ersten Uebernachtungsplatz erreichten wir gegen acht Uhr am Abend. Wir waren alle ziemlich fertig und wollten nur noch schlafen. (Ja, ich weiss, eigentlich haben wir Maedels schon den halben Tag verpennt, aber es ist ja nicht wirklich erholsam im Auto) Die Jungs bauten das Auto zum Schlafzimmer um, und wir drei errichteten unser Zelt direkt an der Strasse. Das das nicht wirklich clever war, fanden wir einige Stunden spaeter herraus, denn jeder vorbeiduesende Roadtrain riss mich wieder aus meinen Traeumen. Nicht, dass ich wirklich gut schlafen konnte. Irgendwie ist einer von den beiden Fahrern wohl ein paar mal falsch abgebogen, denn wir muessen in Alaska gelandet sein. Mitten im Winter. Meine Fuesse konnte ich nach wenigen Stunden nicht mehr spueren und saemtliche Muskeln fuehlten sich vom Zittern total verkrampft an. Ich habe noch nie so sehr gehofft, dass die Sonne bald aufgeht und das Eis, das im Schlafsack meinen Koerper komplett einhuellt, schmiltz. Nie wieder, das schwor ich mir, wuerde ich in diesem Zelt schlafen, wenn die Temperaturen auf den Nullpunkt heruntersinken. Und daran hielt ich mich auch. Ab diesem Tag machte ich es mir nachts auf dem Beifahrersitz gemuetlich. Wobei gemuetlich natuerlich eine viel zu optimistische Umschreibung der vorherrschenden Bedingungen ist. Wollte ich auf der linken Seite schlafen, musste ich meine Fuesse in das Fach an der Tuer klemmen, wollte ich auf der rechten Seite schlafen, wickelte ich ein Bein um den Schaltknueppel. Trotzdem war das deutlich besser, als auf dem eiskalten Boden in einem loechrigen Zelt zu schlafen.

Ich wollte auf dem Weg zum Uluru (Ayers Rock) unbedingt bei den Devils Marbels, den verrueckten Alienfreaks in Wycliffe Well und der Tankstelle, deren Waende vollhaengen mit Zeugs und Fotos von Reisenden, stoppen. Meine Cousine hatte mir von diesen Attraktionen erzaehlt und da ich ja schon irgendwie auf ihren Spuren wandle, wollte ich das auf keinen Fall verpassen. Wirklich gelohnt haben sich allerdings nur die Devils Marbels. Auch, wenn ich es nicht geschafft habe, ein richtig cooles Foto zwischen den zwei wohl bekanntesten Steinen zu machen, waren die riesigen runden Steine, die laut den Traumzeitgeschichten der Aborigini die Eier der Regenbogenschlage sind, unglaublich beeindruckend. Wycliffe Well ist heute mehr eine Touristenattraktion. Dort gibt es die verruecktesten Aliensouveniers, aber ich haette irgendwie etwas anderes erwartet... Vermutlich glauben die Besitzer dieser Tankstelle mit Campingplatz dahinter gar nicht mehr an Ausserirdische. Das Roadhouse in Barrow Creek war noch ziemlich cool. Reisende haben die Waende mit Fotos, Fuehrerscheinen, Personalausweisen und allem moeglichen Krimskram zugepinnt. Der Hintergrund? Frueher haben Schaefer auf Dollarscheine ihre Namen geschrieben und diese an der Wand befestigt, um sicherzugehen, dass sie sich beim naechten Besuch ein Bier leisten koennen. Auch einige dieser Dollarscheine haengen noch an der Wand hinter dem Tresen. Trotzdem, richtig umgehauen hat mich dieser Platz nicht.



Was mich jedoch umgehauen hat, ist der Kings Canyon. Das erste Stueck der Wanderung war zwar ziemlich anstrengend, es ging einfach ewig bergauf, aber dafuer wurde man mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Urige Felsgebilde und Steinformationen wohin man seinen Blick auch wendete, gaehnende Abgruende und interessant gemaserte Felswaende. Natuerlich haben wir die Warnschilder zwar wahrgenommen, ihnen jedoch nicht weiter Beachtung geschenkt. Dadurch sind einige wirklich coole Fotos entstanden, die ich euch nicht vorenthalten moechte. 



Am naechten Tag ging es los zum Uluru. Als man ihn endlich am Horizont erblicken konnte, rasteten alle komplett aus und schossen ein Foto nach dem anderen. Ich lehnte mich bloss grinsend zurueck und hielt die Klappe. Irgendwie sah der Berg anders aus, als ich ihn von Fotos in Erinnerung hatte, ausserdem hatte meine Cousine mich schon vorgewarnt. Der Mount Connor ist sogar groesser als der Uluru, aber irgendwie interessiert sich keiner fuer ihn. Manche Japaner schiessen wohl aus der Ferne ein Foto und fahren dann wieder zurueck. Zu Hause erzahlen sie dann ihren Verwandten und Freunden, sie waeren am Uluru gewesen...

Janne und Fabian machten sich an den umstrittenen Aufstieg, waehrend wir anderen bloss um den grossen Stein herumliefen. Meine Begruendung, warum ich nicht auf den Berg klettern wollte, ist die spirituelle Relevanz fuer die Aborigines, die ich achten moechte. Fuer sie ist der Uluru heilig und darf nicht bestiegen werden. Was ich meisst nicht erwaehne, es sieht ganz schoen steil aus und ich weiss nicht, ob ich es bis nach oben schaffen wuerde... Aber dieser Grund ist selbstverstaendlich nur ein zweitrangiger Grund.

Zuletzt standen die Olgas auf dem Programm. Auch hier sagen Bilder vermutlich mehr als Worte. Wir baten ein kleines Maedchen ein Gruppenfoto von uns zu machen. Hinter uns endlose Weite und ein fantastischer Blick. Leider machte sie bloss ein Foto von uns und dem Busch direkt hinter uns. Naja, man sollte schon genauer sagen, was man moechte.



Wir erreichten Alice am spaeten Abend und schliefen in unserer letzten Nacht zusammen alle im Auto. Endlich einmal war es nicht mehr unertraeglich kalt, sondern sogar angenehm kuschelig, dafuer aber schrecklich unbequem. Am naechsten Tag gingen wir alle getrennte Wege. Simone hatte zwei Jungs (Deutsche) gefunden, die einen platz im Auto frei hatten und sie nach Darwin zurueck mitnehmen konnten, Fabian und Janne machten sich mit drei neuen Reisepartnern auf den Weg nach Cairns. Marei hatte fuer uns beide einen Lift nach Darwin organisiert. Dieser sagte dann jedoch leider zu der Zeit, als wir uns mit ihm treffen wollten ab. Auto kaputt.

Also standen wir in Alice Springs. Mal wieder komplett planlos. Wir fragten ein paar Leute im YHA Hostel, leider konnten diese uns jedoch nicht helfen, und gingen schliesslich auf einem kleinen Markt nach Pappe und einem Edding fragen. Die Jungs brachten uns noch zur naechsten Tankstelle und von dort aus, waren wir auf uns allein gestellt.

Ich klapperte, leider erfolglos, die parkenden Roadtrains ab. Einer fuhr nach Adelaide, zwei andere waren bereits voll. Marei sprach mit einem freundlich wirkenden aelteren Herren, der einen LKW mit einer Menge Krams (ein Quad, ein Boot, Zaundraehte und Zeug, das fuer mich stark nach Muell aussah) auf der Ladeflaeche und einem Anhaenger auftankte. Er sagte, wenn wir unsere Rucksaecke in seinen Anhaenger bekommen wuerde, koennte er uns einen Lift geben. Das waere gar kein Problem. Super!

Wir stiegen ein und beobachteten, wie er sich weissen Goon in eine leere Bierflasche umfuellte. Auf meinen fragenden Blick hin antwortete er: "Ich genehmige mir mal einen Schluck waehrend der Fahrt" - Ok, keine Panik, der weiss schon was er tut. Und so, wie es aussieht, ist er fuer uns die einzige Moeglichkeit aus Alice herauszukommen. Natuerlich genehmigte er sich nicht bloss einen Schluck. Er hielt alle fuenfzig Kilometer an, um die "Reifen zu checken" und, das war sicherlich der Hauptgrund, seine Flasche nachzufuellen. Aber er fuhr ordentlich und hielt die Spur problemlos. So weit, so gut. Nach einer Weile stellte er sich und vor. Sein Name ist Circus, denn er ist mit 14 Jahren von zu Hause abgehauen und zum Zirkus gegangen. Auch heute reist er noch mit Shows durch Australien. Er lebt etwas ausserhalb von Darwin im Busch, aber eigentlich ist er so gut wie nie zu Hause. Seine Haustuer muss er nicht abschliessen und wenn sich seine Nachbarn mal ungefragt ein Bier von ihm "leihen", dann geben sie es spaetestens ein paar Wochen spaeter wieder zurueck. - So viel zu den harmlosen Fakten ueber Circus. Die nicht ganz so harmlosen wollte er uns eigentlich erst erzaehlen, sobald wir in Darwin sind, aber er machte einige Andeutungen und ich hoerte nicht auf zu fragen, bis er es uns erzaehlte. Er ist der schlimmste betrunkene Fahrer im Northern Territory und vermutlich auch im Rest von Australien. Bis zum heutigen Tag wurde er 108 mal von der Polizei angehalten, er war deswegen schon mehrere Male im Gefaengnis und bekommt seinen Fuehrerschein in elf Jahren wieder. Dann ist er 82. Sein Bruder ist an Leberversagen gestorben, aber das ist fuer ihn kein Grund weniger zu trinken. Ganz im Gegenteil: Er behauptet, es wuerde ihn am Leben halten. Nun kommt aber auch noch eine gute Nachricht, die fuer alle, die jetzt unglaeubig auf den Bildschirm starren und sich fragen, warum wir nicht auf der Stelle aus dem Truck gesprungen sind und das Weite gesucht haben, eine halbwegs beruhigende Erklaerung sein soll: Er behauptet noch nie einen Unfall gebaut zu haben. Und ehrlich gesagt kann ich ihm das sogar glauben, denn fahrtechnisch machte er keinen schlechten Eindruck.

Als wir spaet abends in Tennant Creek ankamen (wir mussten hier ueber Nacht bleiben, weil sein Anhaenger keine funktionierenden Ruecklichter hat und von uns wollte verstaendlicherweise keiner von der Polizei angehalten werden), wollte er uns noch eine Vegetarienpizza ausgeben. Er war leider inzwischen dermassen besoffen, dass er es mit der Aussprache nicht mehr hinbekam und Vegetationpizza sagte.

Die Nacht verbrachten wir auf einem wirklich gruseligen Truckerpark. Die Frauentoilette war verschlossen, also mussten wir auf ein komplet versifftes Maennerklo und auch ansonsten lud der Platz nicht wirklich zum Bleiben ein. Die Beleuchtung war spaerlich und ausser einem anderen Fahrer mit seinem Roadtrain, waren keine Menschen in Sicht. Es haette mich jedoch nicht gewundert, wenn ploetzlich ein paar Zombies um die Ecke gewackelt waeren. Aber wir ueberlebten auch diese Nacht.

Circus machte am naechsten Morgen einen ueberraschend fitten Eindruck und wir setzten unsere verrueckte Reise mit schmerzenden Gliedern fort. In einem LKW Fuehrerhaus zu schlafen, kann ich wirklich keinem empfehlen... Wir fuhren den ganzen Tag und am spaeten Nachmittag erreichten wir Katherine. Circus wollte dort ueber Nacht bleiben, also beschlossen wir unser Glueck bei einem anderen Fahrer zu versuchen. Viel schlimmer konnte es schliesslich kaum werden. Und wir hatten Glueck. Ein juengerer Typ in einem schniecken schwarzen Luxusschlitten, mit dem Kennzeichen "Blakout" bot an, uns nach Darwin mitzunehmen. Auf Mareis Frage, was er beruflich machen wuerde, antwortete er, er sei Polizist. Ach du liebe Zeit! Haette es einen groesseren Kontrast geben koennen?! Natuerlich haben wir ihm nur erzaehlt, dass unser letzer Lift ein komischer alter Kautz mit einem aufrengenden Leben war, nicht aber, dass er Alkoholiker ist und mit uns 1200 km in einem geistig fragwuerdigen Zustand gefahren ist. Auf der Fahrt erzaehlte Matt, der Polizist, uns wirklich lustige Geschichten ueber Erlebnisse, die er waehrend eines beruflichen Einsatzes auf einer Insel mit ein paar Aborigines gemacht hat. Die Fahrt war kuerzer, als erwartet. Es tat so gut, endlich wieder in einem schnellen Auto zu sitzen und nicht mehr mit 80 km/h auf dem Highway herumzudackeln und sich dabei staendig zu fragen, ob Circus wirklich nicht einschlafen wuerde und, ob wir vor Sonnenuntergang an unserem naechsten Stopp ankommen wuerden. Matt fuhr extra einen Umweg, um uns direkt vor der Tuer abzusetzen und gab mir seine Nummer fuer den Fall, dass wir in Schwierigkeiten geraten. Ausserdem gab er uns einen Tipp fuer den Fall, dass wir nachts in der Stadt festsitzen und keinen Platz zum Schlafen haben: Man solle einfach so tun, als waere man richtig betrunken und darauf warten, dass man von der Polizei eingesammelt wird und in eine Ausnuechterungszelle verfrachtet wird. Es gibt ein warmes Bett und sogar Fruehstueck am Morgen... Nur die Mitbewohner der Zelle kann man sich natuerlich nicht aussuchen... Ich glaube nicht, dass wir seinen Ratschlag befolgen werden, aber man soll ja niemals nie sagen.

Eine verdammt lange Reise

Donnerstag, 24.04.2014

4:30 Uhr. Piep, piep, piep. Oooooch nö!! Taps, taps, taps. Klopf, klopf. "Linda, guten Morgen, aufstehen" - "Morning.. Oookay" - "Kaffee?" - "Auf jeden Fall!" Ohne läuft hier schon mal gar nichts. Das ist doch keine Zeit um aufzustehen. Ich rollte mich tapfer aus dem Bett und zog es gleich ab. Das dauerte nicht mal eine Minute. Vor drei Tagen hatte ich etwa eine Viertelstunde damit zugebracht es zu beziehen und hätte sicherlich einen Preis für das lustigste Homevideo der Woche gewonnen, wenn Marei mich dabei gefilmt hätte.

Nach dem Kaffee räumten wir das Haus auf, putzen, packten unsere restlichen Sachen, frühstückten und sprangen unter die Dusche. Um sechs holte Chris uns ab. Für die Strecke zwischen Mission Beach und Weipa braucht man etwa 14 Stunden. Wahnsinn! Und ich hatte schon Mitleid mit meinem Papa, als wir einen Familienurlaub in Reutlingen gemacht haben und der Arme 8 Stunden dorthin fahren musste. Ich bot Chris an, auch mal das Steuer zu übernehmen, falls er eine Pause bräuchte, aber er sah mich nur mit großen Augen an, bekreuzigte sich und lehnte sarkastisch dankend ab. Als ob hier viel Verkehr wäre... Aber bitte, dann fahr halt selbst. Wir stoppten in Laura (eine winzige Aborigine Gemeinde) und aßen dort im einzigen Pub Lunch. Ein Käsesandwich war alles, was man dort an kulinarischem Hochgenuss für Vegetarier bekommen konnte. Chris füllte den Tank auf und wir setzten unsere lange Reise fort. Nördlich von Laura endete, wie er es prophezeit hatte, die asphaltierte Straße und es begann eine staubige rote Sandstraße. Wobei Straße hier noch ein sehr optimistisches Wort ist... Nach etwa fünf Kilometern, als wir gerade durch ein, die Straße kreuzendes, Flussbett fuhren, gab das Auto seinen Geist auf. Marei bekam die Krise, während ich mich schon gedanklich darauf einstellte, das Auto zurück nach Laura zu schieben. Bei etwa 35 Grad im Schatten und nicht besonders viel Schatten. Zum Glück hatte Chris aber, im Gegensatz zu uns, Empfang und konnte einen seiner Mates anrufen. Zufälligerweise kam 10 Minuten später Jack (der Freund, von dem Chris die Nummer erfragen wollte) vorbei, der mit seinem riesigen Truck Massen an Staub aufwirbelte und vor uns hielt. Er fand blitzschnell heraus, wo genau das Problem lag. Ich freue mich euch mitteilen zu können, dass der unfehlbare Chris Benzin statt Diesel getankt hat. Ich freue mich überhaupt nicht euch mitzuteilen, wie Australier so ein Problem lösen. Jack hat uns in einen Feldweg abgeschleppt, Chris hat den Tank aufgemacht und die volle Tankfüllung in den Boden sickern lassen. Ich kann mir nur schemenhaft ausmalen, was das für die Eukalyptusbäume und Tiere bedeutet. Nach einer Viertelstunde ging es dann mit leerem Tank hinter Jacks Geländewagen zurück nach Laura, wo der Tank, unter unserer Aufsicht, mit Diesel gefüllt würde.

Nach dieser Zwangspause setzen wir unsere lange Reise in den Norden fort. Stoppten ein paar Stunden später, um uns Aborigine Zeichnungen anzusehen. (ich behaupte einfach mal, dass ich besser zeichnen kann, aber landschaftlich war es dort traumhaft, ich fühlte mich wie in der Kulisse eines Krokodil Dundee Films)

Wir tankten ein weiteres Mal in Lady Musgrave, wo die Sonne sich bereits in den Feierabend verabschiedete und die Nacht heraufzog.

Ich kann nun verstehen, warum jeder uns riet nur bis Cairns zu trampen und es danach zu lassen. Teilweise kreuzten Flüsse unsere "Straße", Kühe lagen mitten im Weg und es gab mehr Schlaglöcher als glatte Abschnitte. Um zehn wurden Chris Augen dann tatsächlich mal müde und ich übernahm das Steuer für zwei Stunden. In dieser Zeit bis Mitternacht holperte ich von Schlagloch zu Schlagloch über unbeleuchtete rote Huckelpisten. Mir begegneten sage und schreibe zwei Autos (keine guten Trampbedingungen), ein paar Kühe und mehrere Schlangen. Eine hab ich leider überfahren. Das tut mir noch immer wahnsinnig leid, aber sie war einfach so groß, dass ich nicht ausweichen konnte und da sie hinter einer Kurve lag, konnte ich bremsen auch vergessen. Obwohl wir anderen meine Fahrkünste überlebt haben und Marei sogar sagt, sie konnte besser schlafen, wenn ich gefahren bin, weil ich nicht mit 80 km/h in die Flussbetten gebrettert bin, übernahm Chris gegen Mitternacht wieder das Lenkrad. "Um anzukommen", wie er sagte. Kurz nach ein Uhr erreichten wir Weipa.

Netz hatten wir schon seit Stunden nicht mehr, also konnte ich mich zu Hause gar nicht mehr wie versprochen abmelden.

I believe I can fl.. fall!

Sonntag, 20.04.2014

Ich habe mich schon immer gefragt, warum Leute viel Geld für etwas ausgeben, dass ihnen wahnsinnige Angst einjagt. Zum Beispiel kostet es ein kleines Vermögen, sich in einen Käfig zu setzten und an einer Kette ins Meer, zu sich im Blutrausch befindenden weißen Haien hinuntergelassen zu werden. Das Gleiche gilt für Leute, die sich, an bloß einem Seil befestigt, in die Tiefe fallen lassen oder aus Flugzeugen springen. Kostet lächerlich viel Geld und verursacht eine Heiden Angst. Vermutlich verliert man ein komplettes Lebensjahr, weil der Körper dermaßen viel Stress ausgesetzt ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch faszinierend und auf großartige Weise aufregend, schließlich begibt man sich nicht jeden Tag an die Grenze zwischen Euphorie und Todesangst.

Ich weiß nicht, was für mich der ausschlaggebende Punkt war... Meine Lieblingsfarbe ist blau wie der Himmel und das Meer an einem sonnigen Sommertag, Fliegen hat mich schon immer fasziniert, (wenn ich mir eine Superkraft aussuchen könnte, wäre es Fliegen, keine Frage) und ich liebe es, wenn der Wind durch mein Haar weht. Gut, das geht anderen Menschen sicherlich auch so, da bin ich nicht die Einzige und es ist noch lange kein Grund aus einem verdammten Flugzeug zu springen, aber es könnte ein Teil der Begründung dafür sein. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur verrückt geworden, soll ja gelegentlich mit Leuten passieren. 

Und nun sitzen wir hier. Futtern abwechselnd Chips und Schokoriegel zur Beruhigung und warten darauf in einen Bus gesetzt zu werden und nach Tully zum Flugzeug gefahren zu werden. Wir sehen der Gruppe vor uns beim Landen zu und dann stehen wir bloed in der Gegend rum und warten darauf, aufgerufen zu werden. Der Name des Typens, in dessen Haende ich die Verantwortung fuer mein Leben legen werde, ist Dave. Ein ziemlich durchschnittlicher Name. Total normal, er wurde sicherlich nie deswegen gehaenselt in der Schule. Also hat es schon mal keinen Grund sich umzubringen, nur weil er seinen Namen hasst. Dave klingt doch ganz nett, es klingt verlaesslich. Das beruhigt mich. Als ich ihn frage, wie oft er denn schon aus Flugzeugen gesprungen waere, antwortet er: "Over 8.000 times". Uiuiui, die 8.000 Marke schon geknackt, das ist beeindruckend. Wir werden also gemeinsam aus einer kleinen Luke, auf einer Hoehe von 14.000 feet, in die Tiefe stuerzen. Fuer alle, die nicht so schnell umrechnen koennen oder diese Masseinheit gar nicht kennen, es sind 4,2672 Kilometer. Halleluja, das ist verdammt hoch. Eine Minute freier Fall und anschliessend sieben Minuten im Fallschirm haengen und daemlich mit offenem Mund vor sich hinglotzen, weil es einfach so unbeschreiblich schoen aussieht. Ich kuerze es an dieser Stelle etwas ab und zeige euch lieber die Bilder, als bloss von der langweiligen Busfahrt oder Hochflug mit der genialen Aussichtzu berichten. Das Wetter war so perfekt, dass man sogar das Reef sehen konnte. Ich weiss, keines dieser Bilder wird es in meine Modelmappe schaffen, aber ich bin einfach ziemlich stolz auf mich. Zudem haben die Bilder ein kleines Vermoegen gekostet und es waere doch sehr schade, sie dann, nur weil sie furchtbar sind in einer Kiste verrotten zu lassen. Viel Spass beim Lachen:

 

Ich bin wirklich ein offenes Buch, ihr koennt sicherlich jeden einzelnen Gedanken erraten, der mir durch den Kopf ging. Auf dem letzten Bild freue ich mich, dass Dave so verlaesslich war, wie man es von seinem Namen erwarten konnte. 

Der freie Fall war der Wahnsinn, ich habe nie etwas Vergleichbares erlebt. Was ich dazu noch sagen kann? Selber machen!!

Ich melde mich ab Donnerstag für die nächsten zwei Wochen ab. Bin unterwegs auf einem Segelboot zur nördlichsten Spitze Australiens. Ein Abenteuer jagt das nächste. 

Roadtrip

Samstag, 19.04.2014

Aus Zeitmangel mal wieder ein paar Bilder. Es war ein perfekter Tag mit Lisa, Felix und Jacob. Ein Roadtrip der Superlative von Mission Beach bis fast nach Cairns. Anschliessend sind Marei und ich jedoch wieder zurueck getrampt, weil wir morgen Skydiven werden. 

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Luxus und Glueck in Mission Beach

Mittwoch, 16.04.2014

Nachdem wir einen Tag laenger, als eigentlich geplant in Townsville feststeckten, wurden wir von unserem naechsten Couchsurfinghost eingesammelt und nach Mission Beach gefahren. Er war selbst gerade wieder auf dem Weg nach Hause. 

Manchmal frage ich mich, ob wir fuer all das Glueck, das wir hier haben eigentlich bezahlen muessen, wenn wir wieder zu Hause sind... Die Strassen waren nicht mehr ueberflutet und wir kamen super durch. Wirklich bequem sass ich zwar nicht, denn Sams Auto hat nur zwei Sitze und anstelle eines Sitzes, hatte ich eine alte, zusammengeknuellte Jacke und ein darueberdrapiertes Handtuch. Zudem sass ich eingequetscht zwischen Sam und Marei und hatte nichtmal einen Sicherheitsgurt zum Anschnallen. 

Waehrend wir neben ueberfluteten Zuckerrohfeldern und ueber die Ufer getretenen Fluessen auf der zum Glueck trockenen Strasse dahinrasten, denke ich darueber nach, wie gewoehnlich diese Situation nun schon fuer mich ist. Wie oft habe ich schon unangeschnallt auf dem Bett eines Truckers gesessen, mir mit Marei einen Sitz geteilt oder mich mit zu vielen Leuten auf eine enge Rueckbank gequetscht? In wie vielen Autos habe ich in Australien ueberhaupt schon gesessen? Ich beginne zu zaehlen, gebe aber nach kurzer Zeit auf. Es sind einfach viel zu viele. Wir haben noch nicht viele andere Backpacker getroffen, die auf die gleiche Weise reisen wie wir, aber die wenigen die es tun, sind vom Trampen begeistert. Alle anderen halten uns entweder fuer wahnsinnig oder fuer wahnsinnig mutig. 

Auch bei Leuten, die einen mitnehmen gibt es verschiedene Gruppen.

Die erste Gruppe sind Personen, die in ihrer Jugend quer durch Europa oder Australien getrampt sind oder noch immer trampen und viele tolle Geschichten zu erzaehlen haben. Sie wissen, wie sehr man sich freut, wenn ein Auto anhaelt und wollen zurueckgeben, was sie genutzt haben. Diese Leute sind mir persoenlich am Liebsten, denn sie haben ein paar richtig tolle Geschichten auf Lager und es ist einfach sich mit ihnen zu unterhalten.

Zu der zweiten Gruppe zaehlen zum Beispiel Truckerfahrer, Pendler oder Leute auf dem Weg nach Hause oder zu der Familie, die weite Strecken fahren und einfach ein bisschen Gesellschaft wollen. Entweder sie haben so gut wie nichts zu erzaehlen oder sie quatschen dich so lange zu, bis du anfaengst die Kilometer zu zaehlen, die noch zum Ziel fuehren.

In der dritten Gruppe sind ueberwiegend Ehepaare oder aeltere Fahrer, die glauben, dass du stirbst, wenn sie dich nicht mitnehmen. An der Goldcoast hat uns einmal ein mittelaltes Ehepaar zum naechsten Bahnhof gefahren, weil sie nicht in den Nachrichten am naechsten Tag lesen wollten, dass zwei Backpackerinnen an eben der Stelle verschwunden sind, an der sie achtlos vorbeigefahren sind. Ist ja nett gemeint, bereitete uns allerdings einige Umstaende, da es nicht ohne weiteres moeglich war, zum Highway zurueckzukommen und wir somit tatsaechlich den Zug nehmen mussten. Kostete uns 21 Dollar und wir kamen erst spaet in der Nacht in Brisbane an. 

Und dann soll es noch eine vierte Gruppe geben, der ich persoenlich dankbarerweise noch nicht begenet bin. Die Boesen, die naive Backpacker und hilflose Maedchen einsammeln und in ihre Huette im Wald verschleppen. Ich bin mehr als froh, dass wir bis jetzt nur freundlichen, hilfsbereiten Leuten begegnet sind und hoffe sehr, dass die Killer in den Horrofilmen bleiben, in die sie gehoeren. Vorsichtshalber wuerde ich es aber jedem empfehlen nur an der Ostkueste zu trampen und es im Outback, Northern Territory oder an der Westkueste zu lassen. Gibt ja auch noch den Greyhoundbus oder die Moeglichkeit ein Auto zu mieten und auf einen Roadtrip zu gehen. 

Inzischen sind wir in Mission Beach angekommen. Und Sam hat nicht uebertrieben: sein Haus ist sicher eines der Geilsten der ganzen Umgebung. Es ist eine Doppelhaushaelfte in der ersten Reihe am Strand mit eigenem Pool und einer Terrasse mit Blick auf die Palmen und das Meer. Marei und ich haben je unser eigenes Zimmer und jede ein Badezimmer fuer sich allein. Nicht mal in einem Hotel wuerden wir luxurioeser wohnen. Ech verrueckt, wir sind ja bloss Backpacker... 

Gerade jetzt sitze ich an Sams Laptop mit Blick auf den Vollmond, der so hell und strahlend hinter den Palmen in den Nachthimmel steigt, dass diese Schatten werfen. Dahinter glitzern die Wellen verhalten durch seinen Schein. Mein Leben ist im Moment ziemlich perfekt. Wir haben einen Wahnsinnstrip in Cairns geplant, gerade heute wieder einige Bewerbungen geschrieben und wohnen in einem absoluten Traumhaus am Strand. Bevor ich nach Australien geflogen bin, hatte ich furchtbar grosse Angst. Angst davor, Heimweh zu bekommen, Angst davor, dass diese ganze Sache einfach ein Stueck zu gross fuer mich ist, Angst, dass ich krank werden oder von einem giftigen Insekt getoetet oder einem Wasserlebewesen mit langen, scharfen Zaehnen gefressen werden koennte. Wenn ich jetzt darueber nachdenke, habe ich wieder Angst. Angst nach Hause zu fliegen. Nicht zu wissen, was ich machen moechte, als was ich arbeiten moechte, wer ich sein moechte. Am meissten Angst habe ich vor dem Alltag. Wenn ich mit Freunden zu Hause spreche, ist es, als wuerde ich nichts verpassen. Paerchen bilden sich, andere Beziehungen zerbrechen. Das wars. Waehrend ich hier die Zeit meines Lebens habe und Abenteuer zum normalen Tagesgeschehen zaehlen, passiert bei den anderen einfach gar nichts. Ich will auf keinen Fall sagen, dass ihr Leben langweilig ist oder, sie etwas aendern sollten, aber das ist einfach nicht das Leben, dass ich mir fuer mich wuensche. Das Leben ist kurz und je mehr ich darueber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass man jeden einzelnen Tag nutzen und geniessen sollte. Wenn du etwas in deinem Leben erleben oder machen willst, dann tu es gleich. An dieser Stelle wuerde ich gerne Mark Twain zitieren: "In 20 Jahren wirst du dich mehr aergern ueber die Dinge, die du nicht getan hast, als ueber die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Traeume. Entdecke." In 20 oder vielleicht 40 Jahren moechte ich nicht zurueckblicken und etwas bereuen. Ich moechte sagen koennen: "Ich habe in vollen Zuegen gelebt, geliebt, die Welt gesehen, verschiedenste Dinge ausprobiert, meinen Horizont erweitert, aber ich habe meinen Zauber noch lange nicht verloren, ich habe noch viel vor."

Sollte das so sein, habe ich nichts zu bereuen, dann habe ich alles richtig gemacht. Und ich werde meinen Weg im Leben finden. Da bin ich ganz sicher.

Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.“ - Mark Twain

Stuermische Spontanparty

Freitag, 11.04.2014

Ein Cyclone Kategorie fünf rast auf Australiens Ostküste bei Cairns zu. Joel aus Rocky, Mike aus Rainbow und Steve aus Gympie haben extra Kontakt zu uns aufgenommen und uns gewarnt nicht weiter die Küste hochzureisen: "Bleibt bloß in Bowen!" 

Ach, so schlimm kann es in Townsville ja nicht sein... Noch scheint die Sonne in Bowen. Die letzten beiden Nächte haben wir bei Tracey, ihrem Mann Ross und ihren zuckersüßen Töchtern Jade und Charlie geschlafen. Ross bot uns an, einen Strafzettel für uns anzufertigen, denn er arbeitet bei der Polizei und trampen ist illegal in Queensland, aber er konnte die Höhe der Strafe nicht mehr finden... Ich hätte gern ein solches Andenken gehabt. (natürlich ohne ihn wirklich zahlen zu müssen - versteht sich von selbst)

Auch heute machen wir uns mit unserem Trampschild auf den Weg. Als ein silbernes Auto neben uns hält, ahne ich noch nicht, dass Steve und Ben unsere Pläne ändern und uns auf ein Abenteuer mitnehmen werden. Die beiden kommen ursprünglich aus England und führen gemeinsam ein Organic Skincare Unternehmen an der Goldcoast. Momentan befinden sie sich auf dem Weg nach Magnetic Island. Dort findet heute Nacht eine Full Moon Party statt. Marei fragt, ob sie nicht versuchen könnten uns ins Hotelzimmer zu schmuggeln. Das war als Witz gemeint, aber Ben antwortet sofort total ernsthaft: "Ja klar, können wir versuchen." 

So schnell kann es passieren, dass Menschen, die du gar nicht kennst in dein Leben treten und deine Pläne zunichte machen. Das einzige, was du dann tun kannst ist ja zu sagen und dich über die Änderung zu freuen. Also sagen wir unserem Couchsurfinghost ab und fahren zum Hafen. Es gießt inzwischen in Strömen, der Wind hat aufgefrischt und auf der Fähre, (als ich gerade meiner Mama eine SMS schreibe, in der ich ihr mitteile, dass wir sicher in Townsville angekommen sind und noch alles prima aussieht) frage ich mich, ob es so ein cleverer Schachzug ist, beim schlimmsten Cyclone seit Jahren auf eine Insel zu fahren... Naja, jetzt ist es eh zu spät um sich Sorgen zu machen. Das Hineinschmuggeln ins Hotel funktioniert leider nicht so wie wir es uns vorgestellt haben... Die Dame an der Rezeption hat uns im Auto auf dem Parkplatz sitzen sehen und daraufhin misstrauische Fragen gestellt. Haben wohl schon andere vor uns versucht. Ben fährt mit uns durch den prasselnden Regen zu verschieden Hostels, aber alle Betten sind ausgebucht. Mal ernsthaft, es kann mir doch keiner erzählen, dass jeder, der sich ein Bett für heute Nacht gebucht hat, auch wirklich die Fähre nach Maggie, wie Magnetic Island von den Australiern liebevoll genannt wird, genommen hat. Der Wind zerrt geradezu an den Bäumen und Palmen und die Straße hat sich in einen reißenden Fluss verwandelt. Wer macht denn sowas freiwillig mit? (Ähm... außer uns natürlich) Alles ist in graue Regenschleier gehüllt und ich bin auf dem kurzen Weg vom Auto zu dem zweiten Hostel bis auf die Unterwäsche durchweicht. Ben ruft im Hotel an und bittet die Frau an der Rezeption, uns günstig im Zimmer mitunterzubringen. Ich kann ihm gar nicht genug danken. Für immernoch teure 35 $ dürfen wir uns das Zimmer mit den Jungs teilen. Wir stoppen auf dem Weg beim Bottleshop und stolpern schließlich pitschnass ins Hotel. Jeder springt nacheinander schnell unter die Dusche, macht sich partyfertig und los geht's zur Full Moon Party. Meine Haare werden die ganze Nacht über nicht trocken, es gibt Cocktails aus Eimern und wir treffen die halbe Besatzung unseres Avatarbootes wieder. Die Musik ist gut und laut, die Stimmung feucht fröhlich und der Wind sorgt für super Soundeffekte während der Regen manchmal sogar etwas nachlässt.  
Kurzum, wir hatten eine fantastische Nacht mit Ben und Steve, auch wenn wir den Mond nicht sehen konnten und ich bin wirklich froh, bei ihnen ins Auto gestiegen zu sein. Sowas passiert eben nicht, wenn man bloß in den Greyhoundbus steigt und Hostels für die nächsten drei Monate im Voraus bucht. Leben ist Abenteuer. Reisen ist Freiheit. 

Am nächsten Tag erkunden wir Maggie mit den beiden, finden einen Koala, magische, in Wolken gefüllte, Berge mit riesigen Felsen und Steinen, die zwischen den Bäumen hervorblitzen sowie traumhafte Strände, an denen Schwimmen leider aufgrund der gefährlichen Quallen verboten ist und nehmen schließlich gemeinsam die Fähre zurück zum Festland. Das Wetter spielt wirklich verrückt, es schüttet wie aus Eimern, noch schlimmer, als zuvor und der Wind peitscht einem den Regen auch noch in Böen ins Gesicht. 

In Townsville verabschiedeten wir uns von Ben und Steve. Das war ein Ausflug, den ich nie vergessen werde. Und wir sind weder weggeweht, noch von Palmenwedeln erschlagen worden. 

Der Cyclone wurde heruntergestuft und traf Townsville am nächsten Morgen nur noch als Kategorie 1. außer ein paar umgeknickten Bäumen ist nicht viel passiert. Die Bewohner lachen darüber. Ich bin um sieben Uhr morgens vom Tosen des Windes aufgewacht, aber Rob, unser aktueller Host, lachte mich bloß aus, als ich ihn fragte, ob der Sturm großen Schaden in Townsville angerichtet hätte... Er schafft es aber eh nicht auf meine Hitliste von Couchsurfinghosts. 

Finding Nemo

Dienstag, 08.04.2014

Mit Felix und Lisa haben wir uns auf den Weg zum Hafen gemacht. Unser Skipper Sammy ist ein schräger Vogel mit wirren Dreads und einem alten schwarzen Zylinder. Die Gruppe sieht soweit ziemlich nett aus. Überwiegend Mädels aus Schweden, Felix und Sebastian aus Schweden, vier deutsche Mädels außer Marei und mir, zwei Kanadier, eine Dänin, ein Holländer und vier Engländer. Diese entsprachen absolut dem Klischee. Sie begannen sofort das erste Bier zu öffnen, als sie das Schiff betraten, wollten immer als erste ins Wasser (aber nur mit einer Schwimmnudel, alles andere ist ja zu anstrengend) und nach fuenf Minuten wieder raus aufs Schiff zu ihren Bier und Goon Vorräten. Tagsüber lagen sie die meiste Zeit an Deck rum und fingen dann gegen Mittag wieder an zu trinken. Was für ein Leben...

Kurz nachdem wir den Hafen in Airlie Beach verlassen hatten, rief einer der Engländer (der anscheinend.nur einen schwachen Kater hatte und nicht wie die anderen besinnungslos herumlag) so laut er konnte: "Dolphin!!" - tatsächlich, neben dem Boten schwamm eine ganze Gruppe von Delfinen. Sie sprangen elegant aus dem Wasser und tauchten wieder in die schimmernden Wellen ein. Wie wunderschön! Sammy erzählte uns, dass das innerhalb der letzten zwei Jahre nur ein oder zweimal passiert ist.

Am ersten Tag gingen wir an einem Spot, der Korallengarten genannt wird schnorcheln. Das letzte mal, dass ich schnorcheln war ist schon eine ganze Weile her und es war mit meinem Papa in der Ostsee. Dementsprechend aufgeregt und nervös war ich, bevor ich mich in die Stingersuit quetschte, die Taucherbrille und den Schnorchel über meinen Kopf fummelte und schließlich vom Rand des kleinen Schlauchbootes, mehr oder weniger anmutig, ins Wasser glitt. Meine Güte, ist das einfach! Ich hatte es mir ziemlich anstrengend vorgestellt so lange im Wasser zu bleiben, aber es ist überhaupt nicht mit schwimmen zu vergleichen. Wofür brauchen die Engländer ihre Schwimmnudeln?! Ich würde es als sich auf dem Wasser treiben lassen beschreiben. Die Unterwasserwelt sah wirklich fantastisch aus. Vielleicht war sie nicht ganz so bunt, wie ich es erwartet hatte, aber die Fische schillerten dafür in den verschiedensten Farben. Wir beobachteten einen riesigen (zu dem Zeitpunkt fand ich ihn noch riesig, das änderte sich nach dem zeiten Tag) Parrotfish, der grün und blau leuchtete und an den Korallen knabberte.

Als ich total euphorisch nach dem Tauchgang mit Lisa und Felix sprach, merkte ich schnell, dass die beiden nicht so begeistert waren. Die Korallen waren überwiegend tot und die Unterwasserwelt lange nicht so aussergewöhnlich, wie sie es sich gewünscht hätten. Egal, es ist sicherlich besser klein anzufangen, als gleich den allertollsten Reefabschnitt der Welt zu sehen und danach immer nur enttäuscht sein zu können.

Wir segelten zu unserem Schlafplatz, eine Bucht nicht weit vom Whitehaven Beach entfernt, wobei wir ins Revier eines ganz besonderen Vogels kamen. Ein white bellied sea eagle. Wer pfeifen konnte, pfiff was das Zeug hiet (ich brachte leider nur ein klägliches Fiepen hervor) und Tom, unser Koch und Sammy fütterten ihn mit rohem Fleisch. Anschliessend aßen wir Dinner (es gab Nudeln mit Gemüsesoße für Marei und mich - wir sind ausser Sammy die einzigen Vegetarier auf dem Schiff) und gingen in unseren kleinen Betten schlafen. Ich holte mir ein paar neue blaue Flecken bei dem Versuch hineinzuklettern. Marei hielt mich eine Weile mit ihrem Geschnarche wach, aber es dauerte nicht lange und ich wurde von den Wellen in den Schlaf geschaukelt. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schon jemals auf einem Schiff geschlafen habe, aber ich liebe es!

Am nächsten Morgen, um das vorwegzunehmen, es war der schönste Tag überhaupt, frühstückten wir um sechs Uhr Müsli an Deck und beobachteten dabei große Schildkröten, die an die Oberfläche tauchten um frische Luft zu schnappen und sich dann wieder auf ihren geheimen Weg in den Ozean machten.

Wir sind extra so früh aufgestanden, um die ersten am Whitehaven Beach zu sein. Sammy trug einen alten, abgenutzten Nadelstreifenanzug und ein rissiges, weißes Hemd. Dazu passte sein Zylinder natürlich vorzüglich. War wohl ein besonderer Tag. Leider spielte das Wetter nur bedingt mit. Wir schossen einige Bilder am Lookout (von dort kann man eine Insel sehen, auf der mehr giftige Spinnen auf einem Quadratmeter leben, als irgendwo anders -> da werde ich sicherlich niemals freiwillig einen Fuß draufsetzen) und machten uns dann auf den Weg runter zum Strand. Ich habe noch nie so weißen Sand gesehen. 98 % des Sandes ist Silica, daher kommt die extrem weiße Farbe. Anders als anderer Sand wird heizt die Sonne ihn nicht auf, was ihn wirklich angenehm zum Laufen an heißen Tagen macht. Aus diesem speziellen Sand, der so fein ist, dass man damit Schmuck reinigen, Zähne putzen und sich ein supergesundes Peeling verpassen kann, wurde Glas gebrannt, das in eine sehr spezielle Kamera gebaut wurde, um im Weltraum Fotos von weit entfernten Planeten und Galaxien machen zu können. Echt beeindruckend.

Es begann zu regnen, pardon, zu schütten und die Engländer machten sich auf den Rückweg zum Boot. Sie haben wirklich was verpasst, denn das Wetter wurde besser. Die Sonne kam heraus, das Wasser leuchtete türkis, die Wolken wurden weniger und wir liefen durch seichtes, glasklares Wasser um Rochen zu beobachten. Der Rekord war fünf zur gleichen Zeit. Zuerst war es ein bisschen gruselig ihnen so nah zu kommen, aber sobald wir zu nah zu ihnen liefen, machten sie sich schnell aus dem Staub.

Auf dem Weg durch den Wald zurück zum Strand, an dem Sammy uns einsammelte, machten wir einen zweiten Abstecher zum Lookout. Dieses mal sah der Strand komplett anders aus. Das ist das besondere am Whitehaven: Für niemanden sieht er zweimal genau gleich aus. Die Ebbe hatte eingesetzt und wir konnten statt Massen von unwirklich blauem Wasser, Massen an unwirklich weißem Sand bestaunen.

Der erste Platz, an dem wir schnorchelten, war wie ein verdammtes Aquarium. Alles was fehlte, war die Glasscheibe zwischen uns und den Fischen und die Luft auf unserer Seite. Da es diese aber nicht gab, schwammen wir umringt von Fischschwärmen über riesigen Korallen. Manche sahen aus wie überdimensionale steinharte Gehirne, einige wiegten sich sanft in der Strömung, wie Getreidefelder, über die der Wind streicht, andere wirkten wie fantastische Bäume, die ihre verwunschenen Äste verwinkelt und verschlungen in alle Richtungen streckten, wieder andere waren perfekt rund, wie kleine, halb eingegrabene Bälle. Ich fühlte mich wie Arielle. Manchmal konnte ich außer Fischen überhaupt nichts sehen. Wenn man über einem Parrotfish kurz die Luft anhält, um keine Geraeusche zu machen, kann man hören, wie sie an den Korallen knabben. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das so laut sein könnte.

Aber das eigentliche Highlight dieser kleinen Bucht war Elvis. Ja, ganz richtig, Elvis lebt. Er ist schon etwa 50 Jahre alt und lebt in der Blue Pearl Bay. Elvis ist ein Humphead Maori Wrasse und ungefähr 1,5 Meter lang. Dagegen wirkten die meisten anderen einfach nur winzig. Ich war zu Beginn ein bisschen nervös. Ist ja nicht gerade so, als wäre das ein kleiner niedlicher Fisch. Aber die Nervosität hielt nicht lange an. Es war viel zu aufregend und viel zu cool um sich Sorgen zu machen. Lisa und Felix fütterten ihn sogar per Hand vom Schlauchboot aus, ich blieb lieber im Wasser.

 

Sammy versprach uns, statt bloß einem weiteren Schnorchelspot, zwei zu suchen. Wenig später sprangen wir erneut ins Wasser. Dieses mal begaben wir uns auf eine Suche, auf die sich vor uns schon viele gemacht haben. Wir suchten den berühmtesten und meistgesuchten Fisch überhaupt: NEMO! Und tatsächlich fanden wir eine kleine Clownfish Familie, die friedlich in einer Anemone lebt. Wer hätte gedacht, dass ich tatsächlich Nemo finden wuerde... Definitiv ein weiteres Highlight für mich. Die Korallen waren wieder wunderschön. Verschiedenste Farben und Formen umgeben von Schwärme von Fischen.

Aber das war noch lange nicht alles. Noch lange nicht. Unser letzter Spot befand sich neben Langford Island. Natürlich konnte uns niemand versprechen, dass wir Schildkröten sehen wuerden, aber normalerweise ist das ein wirklich guter Ort für verschiedenste Arten von ihnen. Und wir hatten schon wieder verdammtes Glück. Nach vielleicht einer Minute, hatte Felix eine große Schildkröte entdeckt. Ich habe die Luft angehalten und bin zu ihr hinuntergetaucht. Jetzt kann ich offiziell sagen, dass ich mit Schildkröten getaucht bin, mit Stachelrochen im Wasser war, Delfine vom Boot aus gesehen habe, Nemo gefunden habe und eine Unterwasserwelt so bunt und fantastisch wie die von Arielle erforscht habe.

 

Auf Langford Island haben wir uns in den Sand gesetzt und den Sonnenuntergang angesehen. Der Himmel leuchtete anschließend in den verschiedensten pink, lila, rot, gelb und orange Tönen. Traumhaft.

Nach dem Abendessen spielten wir verrückte Trinkspiele unter anderem "Uh, Ah, das ist gut, Azipupa", "Faces" oder "Chickens" und danach legten Marei und ich uns auf die andere Seite aufs Netz und beobachteten gespannt den Sternenhimmel. Die Milchstrasse leuchtete hell und von Zeit zu Zeit huschten Sternschnuppen über den Nachthimmel. Das ist ja wirklich schön, aber mal ehrlich, was soll ich mir denn jetzt noch wünschen?! Als ich Felix fragte, ob er den Himmel heute Nacht schon gesehen hätte, stellte er mir die Gegenfrage, ob ich denn das leuchtende Wasser gesehen hätte. Warte, WAS??

Wir kletterten sofort zum Wasser herunter, Felix griff mit seiner Hand hinein und bewegte sie hin und her. So was habe ich noch nie gesehen. Das Wasser um seine Hand leuchtete. Eine chemische Reaktion zwischen Salz- und Süßwasser. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, meinen Fuß im Wasser hin- und herzuschwingen, die Schatten dunkler Fische im glasklaren Wasser zu beobachten und mit Erstaunen festzustellen, dass das Wasser auch von sich auf glitzerte. Würde nun jemand hinuntertauchen, so sagte mir Tom, könnte man ihn die ganze Zeit im Wasser leuchten sehen. Das ist das Coolste, das ich jemals gesehen habe. Leider war es unmöglich davon ein Foto zu machen.

Unser Boot heißt Avatar und ich fühle mich tatsächlich wie in dem Film Avatar.

Airlie Beach - fast ein bisschen zu schoen um wahr zu sein

Freitag, 04.04.2014

Wir sind in einer verdammten Postkarte gelandet!

Von Rockhampton machten wir uns auf den Weg nach Mackay. Es war vermutlich die Laengste Trampstrecke aller Zeiten, 336 km um genau zu sein (Australische Entfernungen von einer Stadt zur naechsten) und wir hatten verdammtes Glueck. Joel fuhr uns zum Highway um die Ecke und dort wurden wir von einem freundlichen aelteren Paerchen aufgesammt und direkt vor Dishs Haustuer in Mackay wieder abgesetzt.

Mackay gefaellt mir richtig gut. Palmen ueberall, schoene alte Haeuser und ein winziger Hafen. Zu dem sind Marei und ich an einem Tag gelaufen, waren ja nur sechs Kilometer in der Mittagshitze... Belohnt wurden wir mit einem Strand, an dem man wegen der gefaehrlichen Quallen lieber nicht schwimmen sollte und einem Betonbecken, in dem einige Schiffe traege auf dem Wasser vor sich hin schwanken. Komplett ausgelaugt vom Hinweg, beschlossen wir auf dem Rueckweg lieber zu trampen.

Gleich bei der Begruessung fiel uns ein riesiges braunes Pappungetuem im Wohnzimmer auf. Der Couchsurfingbaum. Vier Regeln waren auf diesen mit gelber Farbe geschrieben:

1) Say YES more often

II) Pick an ANIMALNAME

c) Get INVOLVED

4) Never APOLOGIZE, never explain

Ok, drei der Regeln waren ja gewoehnlich und verstaendlich, aber ANIMALNAME? Dish heisst eigentlich nicht wirklich Dish, es ist eine Abkuerzung fuer Dogfish... Sein richtiger Name ist Loren. Marei stellte sich etwas schlauer an als ich und beschloss ein Wombat zu sein. Ich hatte absolut keine Ahnung und liess somit Dish entscheiden. Meine Einzige Bedingung: Keine Spinne und kein Insekt. Er hat mich geschickt ueberlistet und gab mir den Namen Spidermonkey. Ist ja keine Spinne... Danke!

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Wir hatten ein paar wirklich lustiige Tage in Mackay, obwohl es eine echte Arbeiterstadt ist, Frauenmangel inklusive. Hier arbeiten ueberwiegend Maenner in den Minen. Aber wir fanden doch einige Aktivitaeten. Gingen ins Shoppingcenter, zur Lagoone (ein sehr huebsches, kostenloses, oeffentliches Freibad) oder verbrachten unsere Zeit bei McDonalds auf der Suche nach WLAN.

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Von Mackay aus ging es nach Airlie Beach und schon wieder hatten wir unverschaemtes Glueck. Ein Truck hielt fuer uns. Der Fahrer Rob musste eh nach Airlie Beach um einen leeren Muellkontainer dort abzusetzen und einen vollen wieder mitzunehmen, also nahm uns den ganzen Weg mit, fuhr uns in Airlie herum und zeigte uns den Hafen. Die Strasse wand sich kurvenreich um einen Berg und als wir um eine Ecke fuhren, bemerkten Marei und ich gleichzeitig das Meer. "Woooooow". So blau, eher schon tuerkis lag es vor uns. Kein Wellengang, wie ein glattes, durchsichtiges Seidentuch lag es vor uns. Ein paar weisse Boetchen schaukelten sanft auf der Oberflaeche. Aber nicht nur das Meer ist hier aussergewoehnlich schoen, auch die Stadt sieht aus wie aus einem gephotoshopten Reisemagazin. Suesse Laeden und Botiquen wechseln sich mit Cafes, Restaurants und Imbissbuden ab. Dazwischen finden sich Nachtclubs und Hostels. An die Berge rundherum schmiegen sich bunte Luxuskomplexe und Villen. Das sieht wirklich alles aus wie in einem Film...

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Wir sind nun schon zwei Naechte hier. Die Zeit scheint langsamer zu vergehen als sonstwo in Australien. Total entschleunigt und angenehm entspannt. Morgen begeben wir uns auf unsere Segeltour zu den Whitsundays. Angeblich soll der Whiteheaven Beach der schoenste Strand der Welt sein. Ausserdem gibt es hier das beruehmte Heart Reef.Ich bin gespannt.

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Gebrochene Herzen im "Beef Capitol of Austalia"

Freitag, 28.03.2014

Als wir Joel in Rockhampton kennen lernten, regnete es noch immer. Er schloss uns die Tuer auf und stellte uns seinen Hunden vor. Meine Guete, Tighton koennte locker auch als Pferd durchgehen. Danach warnte er uns direkt vor, dass seine Stimmung wohlmoeglich nicht die beste sein koennte. Der Grund dafuer? Eine Deutsche. Irgendwie kommt mir diese Geschichte doch schon bekannt vor... Ach richtig, Ryan aus Brisbane hatte uns erzaehlt, dass er sich unsterblich in Lisa verliebt hatte, diese dann jedoch zurueck nach Deutschland fliegen musste und der Abschied am Flughafen eines der schrecklichsten Dinge war, die er je erlebt hat. Jetzt spart er darauf sie irgendwann mal zu besuchen. Aber mal ehrlich, Deutschland liegt ja nicht eben um die Ecke. Unser lieber Host Chris aus Port Macquarie hat ebenfalls eine deutsche Freundin und die einzig wirklich funktionierende Beziehung, wenn man das so sagen kann. Sie ist 25 Jahre juenger als er und ihren richtigen Namen hab ich leider vergessen, den hat Chris aber eh nie benutzt, fuer ihn hiess sie bloss "Honey". Einer der Gruende, warum Billy aus Noosa so kaputt ist, ist natuelich ebenfalls eine Deutsche, die sich letztendlich gegen ihn und fuer ein Studium in Frankreich entschieden hat. 

Und nun Joel. Bloss ein weiterer Fall auf unserer langen, immer laenger werdenden Liste. Obwohl er ein echter Countryboy-Australier ist und uns wirklich schaurige Geistergeschichten erzaehlen konnte, sogar mit eigenen Augen beobachtet hat, wie ein Freund mit einem Messer Selbstmord beging und Menschen von Krokodilen gefressen oder erschossen wurden, hat Eva es geschafft, ihm das Herz zu brechen. Da sieht man mal wieder, dass selbst die haertesten Kerle manchmal ein Herz aus Glas haben, wenn es um die einzig Wahre geht. Und Joels ist auf jeden Fall zersplittert. Na toll.

Dieser Aufruf geht an all die deutschen Maedels in Australien: Bitte hoert auf Australiern das Herz zu klauen und dann einfach zu verschwinden. Marei und ich sind es langsam leid, dass wir uns jedes mal die gleichen Geschichten anhoeren muessen. Wenn ihr was von einem Australier wollt, dann bleibt hier oder packt ihn ein. Dieses nix Halbes und nix Ganzes schafft nur Probleme, die wir uns dann wieder stundenlang anhoeren duerfen...

Aber Joel liess sich nicht nur ueber seine verlorene Liebe aus, sondern erzaehlte uns wirklich gruselige Geschichten. Als er fuenfzehn war, lebte er fuer einige Tage oder Wochen allein in einem alten Farmhaus irgendwo im Outback. Dieses befand sich, mit dem eigentlichen Wohnhaus, auf dem Grundstueck seiner Eltern. Dazu sei gesagt, dass das Grundstueck der Eltern bis ueber den Horizont hinausreichte. Die beiden Haeuser standen also nicht unmittelbar nebeneinander. Als Joel eines Nachts zur Toilette laufen wollte, schlug die Zimmertuer direkt vor seiner Nase zu. Er war aber so muede, dass er sich nichts dabei dachte und sie einfach wieder oeffnete. Zurueck im Bett, halb am Einschlafen, spuerte er, wie Etwas seinen Kopf in die Kissen drueckte und nicht mehr locker liess. Anschliessend war die Nacht fuer ihn gelaufen. Das Licht blieb an. Irgendwann muss er jedoch wieder eingenickt sein, denn als er die Augen aufschlug, lag er verkehrtherum auf der Treppe. Mit dem Kopf nach unten. Seitdem kann er keine Filme wie Paranormal Activity mehr sehen. Koennte ich vermutlich auch nicht. Jahre spaeter fand er heraus, dass sich unter dem Fundament des Farmhauses drei Graeber befinden. 

Eine andere Schreckliche Geschichte, die allerdings nichts mit Geistern zu tun hat, erzaehlte er uns spaeter um uns Abzuschrecken in Australien zu trampen: Ein Junge aus seiner Klasse verschwand spurlos, weil der neue Liebhaber seiner Mutter ihn und seinen Vater bei einem Angelausflug erschoss und im Fluss versenkte. Eigentlich wollte er wohl nur den Vater loswerden, der Junge war ein Kollateralschaden. Der Mann ist immernoch auf freiem Fuss. 

Regen

Donnerstag, 27.03.2014

Hallo Wetseason, da bist du ja endlich. Ich hab mich schon gefragt, ob ich dich überhaupt noch zu Gesicht bekomme. Die ersten zwei Tage hatten wir Bilderbuchwetter in Agnes Water. Alex und Moritz sind vermutlich die fuersorglichsten Typen, die man in Frankfurt und Umgebung finden wird. Zur Zeit leben sie jedoch in einem wunderschoenen Apartment in Agnes Water. Der Regenwald ist direkt vor der Haustuer und fuehrt direkt zu einem Bilderbuchstrand. Moritz und Alex sind ein so eingespieltes Team, wenn es darum geht zusammen zu leben, dass wir so manches Mal Schmunzeln mussten. "Hast du schon die Gartenstuehle rausgestellt?", "Ich bin heute mit Abwaschen dran", "In der Kueche habe ich nichts zu suchen, da darf ich Alex nicht reinpfuschen." - Wirklich wie ein total suesses Paerchen, nur, dass sie bloss beste Freunde sind. Unsere Zeit in Agnes Water nutzten wir super aus. Wir gingen zum Strand, trafen Nathalie zufällig im Hostel wieder, chillten mit den Jungs auf der Terrasse und machten unseren ersten Surfkurs in Australien! Für nur 17 Dollar ließen wir uns drei Stunden lang von lustigen Surfertypen mit komplett sonnencremeweißen Gesichtern das Surfen beibringen. Das absolute Lieblingswort von einem von ihnen war 'guys'. Jeder zweite Satz begann mit "Ok guys..." die restlichen mit "And guys..."


Ok, ich muss zugeben, dass ich nicht wirklich gut war und kein einziges mal für länger als eine Sekunde aufstehen konnte, aber es hat wirklich Spaß gemacht. Ich kann verstehen, warum so viele es lieben. Ein wirklich unglaubliches Gefühl, wenn man von einer Welle mitgenommen und auf den Strand zugetragen wird. Deshalb heißt es wohl Wellenreiten. Es ist, als würde der Ozean atmen und wenn man alles, mehr oder weniger, richtig macht, wird man auf dem Atem des Meeres mitgenommen. Als würde man eins mit den Wellen. Das Gefühl ist wirklich schwer zu beschreiben und ich glaube, jeder sollte es einfach einmal selbst ausprobieren, denn es lässt sich mit nicht viel vergleichen. Ich kann nur von mir sagen, dass ich schnell Blut geleckt habe und gar nicht mehr aus dem Wasser herauskommen wollte. Vergessen war die Angst vor Haien oder großen Wellen, ich wollte einfach nur wieder auf dem Atem des Meeres reiten und sanft an den Strand getragen werden. Ganz so sanft war das allerdings nicht immer und einmal hatte ich auch einen ganz schönen Zusammenstoß mit einer anderen Kursteilnehmerin, aber wir hatten ja zu Beginn einen Bogen ausgefüllt und unterschrieben, dass uns klar ist, wie gefährlich dieser Sport ist und, dass wir uns ernsthaft verletzen oder sogar dabei sterben könnten. Dafür wird dann keine Haftung übernommen. Zur Beruhigung: Keiner wurde ernsthaft verletzt und auch ich habe nur ein paar neue blaue Flecken und aufgeschrammte Knie, aber das fällt bei all den anderen Prellungen, Mückenstichen und Kratzern kaum auf. 
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Am letzten Tag in Agnes Water begann es zu regnen. Wir vertrieben uns die Zeit mit Billard und Tischtennis im Hostel und trampten schließlich nach Gladstone. Dort kamen wir erst abends an und inzwischen war aus dem Nieselregen richtiger Regen geworden. Das änderte sich auch in den nächsten zwei Tagen nicht. Das Gute an der Geschichte war, dass ich endlich mal joggen gehen konnte und so wenigstens ein bisschen von Gladstone zu sehen bekam, das Schlechte war, dass wir den ganzen Tag eigentlich nichts zu tun hatten, irgendwelche Filme schauten und nichtmal richtig mit unserem Host quatschen konnten, weil der sich freiwillig gemeldet hatte, in der überfluteten Stadt auszuhelfen und mitanzupacken. 

Als wir uns nach zwei Nächten in Gladstone auf den Weg nach Rockhampton machten, regnete es noch immer. Wir wurden von Jason mitgenommen, den wir an der Tankstelle ansprachen. G lücklicherweise war er, anscheinend als Einziger, der sich bei dem Wetter traute, auf dem Weg nach Rocky.. Wir hatten schon Bedenken, dass die Straßen so weit unter Wasser stehen wuerden, dass sie gesperrt wurden, aber wir hatten Glück. Unterwegs kam der Scheibenwischer kaum gegen den Regen an. Teilweise hatten wir bloß wenige Meter Sicht und auch von der Landschaft bekam ich so gut wie nichts mit. Alles war in graue Regenschleier gehüllt. Zu diesem Thema faellt mir noch ein, dass wir uns ab jetzt auf Krokodilterritorium bewegen. Vielleicht sollten wir in der nahen Zukunft davon Abstand nehmen in Tuempel zu springen oder schlammige, ueberflutete Fluesse als Badestelle zu betrachten.

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Bundaberg - hier beginnt eine aufregende Reise fuer kleine Meeresbewohner

Freitag, 21.03.2014

Wir stehen früh auf. Und ich meine wirklich früh. Um halb acht sind wir startklar und machen uns auf den Weg zu einer größeren Straße. Ein Muffin und einen Smoothie später werden wir von Liz aufgesammelt. Sie ist in Australien geboren, hat aber in ihrem Leben schon fast die ganze Welt bereist. Als sie uns am Straßenrand stehen sieht, wird für sie die Zeit noch einmal zurückgedreht. Sie erzählt uns Geschichten darüber, wie sie in unserem Alter mit ihrem Freund und dessen Bruder quer durch Europa nach London getramt ist ohne überhaupt eine Karte zu besitzen. Das ist in meinen Augen wirklich beeindruckend. Als ich sie frage, ob aus diesem Freund vielleicht ihr Mann geworden ist, lächelt sie und sagt: "Nein, ich habe einen anderen Mann geheiratet, bin aber inzwischen wieder Single. Wenn du mich fragst, hat die Ehe eine Verfallszeit von höchstens 20 Jahren. Danach kennt man sich so gut, dass man nicht mehr zusammen sein will." Klingt ziemlich furchtbar für mich als hoffnungslose Romantikerin, aber ich verstehe, was sie meint. Da sie Buddhistin ist, wacht sie jeden morgen dankbar und glücklich auf, weil sie in einem Land wie Australien geboren wurde. In einem vorherigen Leben muss sie einiges richtig gemacht haben. Wir alle, davon geht sie aus. Zum Abschied drückt sie uns ihre Traumdeutungsvisitenkarten in die Hand und wirft uns eine Kusshand zu. Schon wieder fällt mir auf, mit wie vielen verschiedenen Menschen und Lebensweisen wir es hier ständig zu tun haben. 


Außer Liz werden wir noch von einem freundlichen Herren und zwei komischen Typen mitgenommen. Der eine von den beiden muss auf dem Weg noch auf einer Farm abgesetzt werden. Vorsichtshalber stecke ich mir mein Taschenmesser in den BH und Marei lässt ihre Hand am Pfefferspray. Der Fahrer hört die ganze Zeit über Funk Gesprächen zu, Marei flüstert mir zu: "Wenn das Polizeifunk ist, raste ich aus." Eine Minute später erzählt er uns, dass es Polizeifunk sei und er über die Geschehnisse in Bundaberg auf dem Laufenden gehalten werden wolle... Na großartig, das beruhigt uns nicht gerade, als wir im, durch die aufgedrehte Klimaanlage, eiskalten Auto über huckeligen Straßen durch Tomaten- und Zuckerfelder fahren. Wie bis jetzt immer, entpuppen sich Sedad und Irmit jedoch als hilfsbereite und freundliche Leute, die uns gerne Arbeit v erschaffen würden. Vielleicht werden wir ja sogar auf das Angebot zurückkommen. Falls wir nirgendwo etwas finden. Durch den Umweg zur Farm bekommen wir zumindest schon mal einen Eindruck von der roten Erde Bundabergs und all den verschiedenen Gemüse- und Obstfeldern. Das ist hier echt voll meine Gegend: Avocadobäume, Macadamia Nüsse, die von kleinen Roboterstaubsaugern eingesammelt werden, Tomatenplantagen, Erdbeerfelder, und Zuckerfelder. Davon könnte ich leben. Aus dem Zucker wird der berühmte Bundaberg Rum hergestellt. (Am zweiten Tag versuchten Nathalie, Marei und ich, uns in eine Tourgruppe bei der Rum Fabrik zu schleichen und so die 20 $ Eintritt zu umgehen, aber wir wurden erwischt und verzichteten somit auf eine Führung) Auf den Flaschen ist kurioserweise ein Eisbär abgebildet, tatsächlich ist der Rum aber genauso australisch wie Tim Tam oder Vegemite.

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Wir werden am Bahnhof rausgelassen und nun beginnt der wirkliche Spaß: ein Hostel finden und, noch viel schwieriger, zum Hostel finden. Die ersten Versuche scheitern, alle Working Hostels sind voll oder akzeptieren nur Buchungen von mindestens einer Woche. Schließlich finden wir jedoch im lonely Planet das 'Big Foot'. In der Beschreibung heißt es, es sei ein superschönes, familiengeführtes Hostel in einem alten Wohnhaus. Tatsächlich haben sie noch Platz für uns beide heute Nacht. An der Straße schnappen uns einen herrenlosen Einkaufswagen, werfen all unsere Rucksäcke und Taschen hinein und machen uns auf den Weg zur anderen Seite der Stadt. Wir schieben unser schwer lenkbares Gefährt über eine Brücke und löchrige Straßen. Leider befindet sich bei der im lonely Planet eingegebenen Adresse bloß eine riesige Baustelle um das Hostel 'Tomatos'. Ich komme mit einem Motelbesitzer ins Gespräch, der mir von der großen Flut 2013 erzählt. Davon, dass Helikopter auf seinem Dach landeten und Boote durch seine torartigen Fenster hindurch schipperten. (Am Abend bestaunten wir eine Bildausstellung von der großen Flut in der Art Galerie) 


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Leider kann auch der Motelbesitzer nicht weiterhelfen und wir rufen inzwischen zum dritten mal beim Hostel an und erfragen die Adresse. Scheiße! Die haben das alte Gebäude verkauft und sind jetzt am anderen Ende der Stadt, nur fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Großartig. Also drehen wir um und laufen den gesamten Weg zurück. Ich bin so unsagbar froh über den Einkaufswagen! Die Mittagshitze knallt auf uns nieder und der Weg ist wirklich weit. Fast hätten wir das 'Big Foot' nicht mal gefunden, als wir direkt davor standen. Meine Mama würde jetzt sagen: "Schlecht ausgeschildert!" 

Abends haben wir eine Turtle Tour gebucht, dafür werden wir mit sechs Asiaten und Nathalie, die wir bereits von Fraser kennen, in einem Geländewagen zum Strand gefahren. Zurück sollten wir uns eigentlich ein Taxi teilen, aber wir trampen lieber bei zwei freundlichen Schweizerinnen im Campervan. 

Von der Turtle Tour bin ich wirklich beeindruckt. Ich wusste überhaupt nicht, was ich erwarten sollte, also erwartete ich erstmal gar nichts. Wir wurden in drei Gruppen eingeteilt und liefen zuerst durch ein kleines Museum zum Strand. Wusstet ihr, dass das Geschlecht der kleinen Schildkröten durch die Temperatur des Sandes, in dem die Eier liegen, bestimmt wird? Schwarzer, warmer Sand bringt viele Weibchen, weißer kalter viele Männchen hervor. An diesem Strand schlüpfen überwiegend Weibchen. Wir werden zu einem Nest geführt, unser Guide greift in den Sand und bewegt vorsichtig die Finger, um die Schildkrötenbabys aufzuwecken. Zuallererst gräbt sich bloß eine Schildkröte aus dem Sand. Sie ist winzig, sieht aber schon sehr stark aus. Ihre kleinen Flossen sind kräftig und sie kämpft sich wacker ihren Weg nach oben. Stark muss sie auch sein, denn sie hat, vorausgesetzt sie überlebt, eine lange Reise vor sich. Wirklich unglaublich, dass ihr Weg sie bis nach Südamerika und wieder zurückführen wird. Sie ist doch so klein. Und noch komplett allein. Nach ihrem Ausbruch aus dem Nest bleibt es ruhig. kein Sandkorn bewegt sich, keine weitere winzige Schildkröte schiebt sich aus der Tiefe hervor. Der Schlüpfvorgang kann einige Stunden dauern. Vermutlich stecken sie fest, bei dem Versuch alle gleichzeitig aus der Nestöffung zu klettern. Unser Guide kürzt den Vorgang ab, indem er erneut in den Sand greift und zwischen fünfzig und sechzig kleine Babyschildkröten ins Kopflampenlicht holt. Wow, dieser Moment hätte wirklich magisch werden können, würden nicht außer uns noch dreißig andere Leute dicht gedrängt um das Nest herumstehen und jetzt beweisen, dass sie in der Lage sind, gleichzeitig erstaunt zu glotzen, sich vorzubeugen (damit die Hinteren, wie ich, auch ja nichts mehr sehen können) und Vokale wie O und A so laut es eben geht zum Besten geben zu können. Fantastisch! Dennoch raubt es einem einfach den Atem so viele Schildkröten auf einem Haufen zu sehen. Es sieht ein bisschen aus wie in dem Trailer von 'World War Z' indem Zombies auf einem riesigen Haufen übereinander rennen, klettern, stolpern und fallen, nur eben um einiges süßer. Irgendwie schaffen sie es alle nach oben und werden nacheinander in einen Käfig gesetzt. Am Ende sind nur noch zwei kleine Schildkröten übrig. Sie scheinen über einen nicht ganz so ausgeprägten Orientierungssinn wie die anderen zu verfügen und wirken auf mich ein bisschen verwirrt und tollpatschig. Als eine der beiden auf der falschen Seite versucht aus dem Loch zu klettern und die andere ihr folgt, werden beide gepackt und in den Käfig zu ihren Geschwistern gesetzt. Ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, diese Schildkröten erinnern mich stark an zwei Mädels, die ich sehr gut kenne. Marei und ich beschließen einstimmig , dass diese beiden Schildkröten unsere sind. 

Die Gruppe, die überwiegend aus Asiaten besteht (ich frage mich, wie schwer es ihnen gefallen sein muss den Drang jede einzelnen Sekunde Fotos zu machen, zu unterdrücken) setzt sich in Bewegung. Wir bilden zwei Reihen und die kleinen 'Hatchlinge' werden mit Hilfe von Taschenlampen zum Wasser gelotst. In der freien Natur folgen sie dem letzten Lichtschimmer am Horizont, aber hier wird lieber auf Nummer sicher gegangen. Ist vielleicht auch besser, haben wir es hier schließlich mit einer Marei- und einer Lindaschildkröte zu tun. Wir sehen den kleinen zu, wie sie eilig zum Meer laufen. Ob sie wissen, auf was für eine lange Reise sie sich begeben? Ob sie sich der Gefahren bewusst sind, die auf sie im Ozean lauern? Warum nehmen sie diese lange Reise überhaupt auf sich? Haben sie Angst vor der großen Welt oder freuen sie sich auf all die Abenteuer, die sie erleben werden? Vielleicht folgen Sie einfach nur ihrem Instinkt, der sie hinauslockt, in ihnen die Fernsucht weckt und sie bis ans andere Ende der Welt lotst. In diesem Fall wäre ich mir ziemlich sicher, dass unsere beiden Schildkröten es nicht bis nach Südamerika schaffen werden. Vermutlich verschwimmen sie sich einfach und tauchen in ein paar Jahren am Nordseestrand auf. Wo auch immer es sie hinverschlagen wird, ich bin mir sicher, sie werden eine Menge Spaß beim Abenteuer ihres Lebens haben und wohlmöglich kehren sie tatsächlich eines Tages an den Strand ihrer Geburt zurück. Schildkröten finden schließlich immer den Weg nach Hause, so sagt man zumindest. 

Die Sterne leuchteten in dieser Nacht besonders hell und als wir den Strand verließen, tauchte ein roter Mond aus den dunklen Wellen auf. Zumindest war diese erste Nacht für die Neugeborenen nicht pechschwarz. Das halte ich für ein gutes Zeichen!

Fraser Island

Sonntag, 16.03.2014

Für Fraser Island lasse ich am besten die Bilder für sich selbst sprechen. 


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Tote Nachbarn, gruselige Nachbarn und ein Leben als Farmgirl

Dienstag, 11.03.2014

Wir haben die Nacht überstanden. Marei weckte mich morgens mit den Worten: "Wach auf! Da ist jemand im Haus", ich grummelte daraufhin nur irgendwas unverständliches und drehte mich wieder um. Total normale Reaktion oder? War eh nur Brian, was soll die Aufregung? Er hatte unsere Anwesenheit nicht bemerkt und war gerade dabei sich in der Küche einen Kaffee zu kochen. Der Arme hätte sicherlich einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich mit dem Cricketschläger in der Hand, bereit zum Angriff, aus unserem Zimmer gestürmt wäre. Morgenmuffel zu sein hat auch seine Vorteile. Steve trudelte ein und brachte uns zu Louises Pferden, während Brian sich seinerseits auf einem schön gescheckten Pferd auf den Weg machte. Marei schwang sich auf Rafa, ich freundete mich mit Prisa an und zu sechst machten wir uns auf den Weg. Unsere drei Vierbeiner trotteten brav neben- und hintereinander her. Auch das mit dem Lenken klappte ganz gut, Prisa verstand größtenteils, was ich von ihr wollte. Der Wald ist eine Mischung aus angepflanztem Nadelwald, Laubwald und Regenwald. Kleine von Palmen gesäumte Flüsschen kreuzen unsere schmalen braunen oder roten Trampelpfade und es kostet uns einige Überredungskünste, die Pferde durch die Flussbetten zu treiben. Teilweise ging es so steil bergauf oder bergab, dass mir ganz schwindelig wurde und ich mir ernsthaft Sorgen um die Pferdebeine machte. Auch der Galopp machte viel Spaß, Mareis Pferd verlor jedoch auf dem Rückweg die Lust und trieb sich lieber in dornigem Dickicht herum, als auf dem Weg zu bleiben. Irgendwie überzeugte sie Rafa aber dann doch zu Steves Farm zurückzukehren. Der Ausritt dauerte etwas länger als vier Stunden und am Ende tat mir alles weh. Po, Beine, Fußgelenke und Rücken. Autsch! Ich bin einfach nicht mehr daran gewöhnt. 
Wir aßen gemütlich zusammen Würstchen (für Marei und mich gab es vegetarische), Brot und Kuchen. Anschließend waren wir total fertig vom Ausritt und vollgefressen vom Essen, also legten wir uns für ein kurzes Mittagsschläfchen ins Bett. Zweieinhalb Stunden später wachten wir auf. Allein. Keiner mehr da. Na großartig! Anfangs hatten wir die fantastische Idee mit dem großen blauen Geländewagen zum kleinen Tante Emma Laden zu fahren, verwarfen diese jedoch schnell wieder, denn es wurde bereits dunkel und wir sind ja beide noch nicht in Australien gefahren. Ich hatte die Idee Michael zu fragen, der mit seiner Frau und Kindern neben Steves Einfahrt in einem kleinen Haus lebt, ob wir deren Computer benutzen können, um unsere Eltern wissen zu lassen, dass es uns gut geht und wir noch am Leben sind. Leider besitzen diese merkwürdigen Leute keinen PC, dafür bot uns Michaels Frau Sam an, uns zu den Nachbarn zu fahren. "Niemand läuft hier nachts zu Fuß auf den Straßen" - "Warum nicht?" - "Weil sie Angst haben". Halleluja! Sie bestand darauf uns zu fahren und eine Minute später hielten wir neben einem kleinen Haus. Innen befanden sich wirklich viele Computer, mehr als Menschen, und ein chaotisches Durcheinander. Sogar die Oma saß an einem Rechner und spielte Farmville auf Facebook. Wir tippen schnell eine kurze E-Mail und verabschiedeten uns wieder. Komische Leute! Auf dem Rückweg erzählte uns Sam, warum hier nachts niemand auf den Straßen herumläuft. Der Nachbar hatte sich an einem Baum, nahe der Straße erhängt. Er war aber eh schon alt gewesen und wollte einfach nicht mehr leben. Trotzdem war das sicherlich nicht sehr schön für denjenigen, der ihn gefunden hat...
Zurück an ihrem Haus, wurden wir von 'Rat' (=Ratte) angesprungen. Diesen Namen hatte die kleine Fußhupe wirklich verdient. Ein Valentinstagsgeschenk von Michael an Sam. Kaum Rattengroß sprang der winzige Hund an mir hoch. Es gelang ihm nicht, aus eigener Kraft auf meinen Schoß zu klettern. Ich musste ihm hochhelfen. Ihr achtjähriger Sohn Zacky, gesellte sich zu uns. Sam erzählte, dass bei ihm eine Form von Asperger vermutet wird. Gestern hätte er es lustig gefunden Eidechsen aufzuschlitzen. Sonst sei er aber ok. Sie erzählt den Leuten gern "I'm raising a serialkiller" - ihr Lieblingswitz. Ha. Ha. Lange nicht so gelacht. Wir machen uns zurück durch die Dunkelheit auf den Weg zum Haus. 
Am nächsten Morgen steht die Haustür sperrangelweit offen. Ist aber keiner außer uns im Haus. Ich gehe einfach davon aus, dass die Türen nicht wirklich gut schließen. 
Wir bleiben noch drei weitere Nächte auf der Farm. Steve lässt mich seinen Toyota zu einem anderthalb Stunden entfernten Wasserfall fahren, in dem wir schwimmen gehen. Das erste mal als Fahrerin auf Australiens Straßen unterwegs und für mich ist es schon voll normal auf der falschen Seite zu fahren. Alle haben den Trip überlebt und das spricht doch wohl für sich. 
Außerdem zeigt er uns wie man Zäune baut, beim Festziehen der Drähte mit kleinen Drähten, sagt er, er würde uns schnell eine zweite Zange besorgen und verschwindet mit dem Auto samt Draht für eine halbe Stunde. Wir setzen uns ins Gras und warten. Als er wiederkommt, er hat sich inzwischen umgezogen, guckt er uns nur verdutzt an. "Ihr habt aufgehört?" Marei fängt an zu lachen, ich stimme mit ein und es dauert ganz schön lange, bis wir uns wieder fangen können. Steve ist manchmal einfach verplant! Darren hat uns erzählt, dass er vor einigen Jahren einen Unfall bei der Arbeit hatte. Er arbeitet in einer wichtigen Position in einer Miene und eines Tages hat der Arme einen ganz schönen Stein auf den Kopf bekommen. Danach war er jahrelang nicht ganz bei sich. Ein Beispiel: in Gympie gibt es einen Kreisverkehr nahe seines Hauses. Steve hatte gerade einen nicht sehr klaren Moment und fuhr eine Viertelstunde im Kreis, weil er vergessen hatte, welche Ausfahrt er nehmen sollte. Irgendjemand rief schließlich seine Frau an, die ihn aus dem Kreisverkehr lotste. 
Aber wir lernen nicht nur, sondern packen mit an, indem wir einen Zaun mit giftigem Öl streichen. Zum Schutz tragen wir seine alte Arbeitskleidung aus der Miene. Am Ende ist mein Gesicht, die einzige noch freiliegende Stelle meines Körpers, komplett besprenkelt. Marei sieht nicht viel besser aus - war ja zu erwarten. Manche Leute sind einfach nicht zum arbeiten gemacht. Reisen können wir definitiv besser. 
Wir backen Steve als kleines Dankeschön, unter erschwerten Bedingungen, einen Apfelkuchen. Um das Rezept von meiner Mama zu bekommen, muss ich mit dem blauen Ungetüm von Fahrzeug runter zum kleinen Shop fahren, Marei kommt nicht an die Pedale dran. Der Shop ist der einzige Ort, an dem wir Internetempfang haben. Ein bisschen fühlen wir uns wie Kinder, die ohne Führerschein ein Auto klauen. Dabei wurde es uns ausdrücklich erlaubt.
Weil es keine Wage gibt, schätzen wir alle Mengen mit Augenmaß und backen den Kuchen in einer Pfanne, denn es gibt keine Form. Letztendlich sieht er ziemlich passabel aus, auch wenn der Teig etwas zu flüssig geworden ist, ein bisschen zu sehr nach Vanille schmeckt und wir statt normalem Zucker Puderzucker verwendet haben. Hoffentlich schmeckt er Steve und seiner Familie.

Was ich noch festhalten möchte: als Steve mir beim Rindertrieb zugerufen hat: "Linda kletter mal schnell auf den Zaun", ist mir das Herz echt in die Hose gerutscht. So schnell bin ich noch nie auf einen morschen Holzzaun raufgekommen. Eine Herde Rinder macht mir schon etwas Angst, wenn sie alle auf mich zurennen... Als das arme Kälbchen vor unseren Augen kastriert wurde, ist mir fast schlecht geworden und als Steve die Kröte mit einem Stein erschlagen hat, habe ich festgestellt, dass ich sehr gerne Gast auf einer Farm bin und anpacke wo ich kann, aber mit Rindern zu arbeiten oder Tieren wehzutun, dazu bin ich einfach nicht fähig. Ich finde Steve durch und durch bewundernswert, er arbeitet hart, tut was getan werden muss und hilft jedem wo er nur kann, davon kann ich auf jeden Fall noch etwas lernen. 

Farmgeschichten

Montag, 10.03.2014

Nach dem Bushcamp landeten wir eher zufällig bei Billy. Wir wollten bei seinem Kumpel Morgan couchsurfen, der hatte jedoch sein Handy verloren und uns kurzerhand an Billy weitergereicht. Billys Geschichte ist zu traurig, um sie zu erzählen, wir blieben drei Nächte und trennten uns nur schweren Herzens von ihm. Er hätte uns am liebsten einen Job gesucht, das Zimmer vermietet und behalten, aber ich glaube sowieso kaum, dass wir ihm hätten helfen können. Die Zeit in Noosa verbrachten wir damit in Unterwäsche ins Meer zu springen, Kaffee zu trinken und bei Coles einkaufen zu gehen. Unter anderem kauften wir ein Kilo Butter, weil das im Vergleich ein paar Cent billiger war, als ein halbes zu kaufen. Am 6. März hasste ich mich für diese Entscheidung, denn wir machten uns schleppend und stöhnend auf den langen Weg nach Rainbow Beach. Wir hatten drei grausig schlechte Tramppositionen, wobei wir zu zweien erst noch laufen mussten und es regnete, was es zum schlechtesten Tramptag überhaupt machte. Zwei Stunden und ein aufgeweichtes Trampschild später, hielt ein altes Auto am Straßenrand. Steve, ein freundlicher Typ in den späten Vierzigern, der zum Surfen von Gympie nach Noosa gefahren ist und sich zu der Zeit auf dem Heimweg befand, bot uns einen Lift an. Wir quatschen die Fahrt über total nett mit ihm und als er uns anbot einen Umweg von 10 Kilometern zu fahren, um uns seine Farm zu zeigen, stimmten wir beide begeistert zu. Das echte Australien!! Eine Sekunde später setzte mein Verstand wieder ein und schlug Alarm. Da war es aber bereits zu spät. Glücklicherweise hat uns unser Instinkt nicht getäuscht. Steve war wirklich cool und wir haben mit ihm noch ein Kälbchen zurück zu seiner Herde getrieben. Jetzt gerade, zwei Tage später, sitzen Marei und ich alleine im Farmhaus, es geht auf Mitternacht zu, wir haben alle Türen verbarrikadiert, uns mit Cricketschlägern und Messern bewaffnet und warten auf den nächsten Tag. Wie es dazu kam, erzähle ich später. 
Nach dem Besuch auf der Farm gab Steve uns ein köstliches Mittagessen in Gympie, seiner Heimatstadt, aus. Anschließend fuhr er uns noch mal eben eine knappe Stunde lag nach Rainbow Beach und stellte uns dort Darren vor. Dieser organisierte einen Schlafplatz, fuhr uns am Stand in seinem Geländewagen durch den Sand, kletterte mit uns auf eine Sanddüne (beim runterrennen fühlt es sich an, als springe man von Wolke zu Wolke) und zeigte uns ein fantastisches Plätzchen, an dem er angelte, ich auf Felsen kletterte und wir den Sonnenuntergang ansehen (und fotografieren) konnten. Ist es normal solches Glück zu haben?! Rainbow Beach  ist wunderschön. Keine Ahnung, warum andere es hier langweilig finden... Links von uns schimmerten die Klippen in den verschiedensten rot, orange, gelb, braun und grau Tönen, durchzogen von schwarzen und weißen Sandstellen, rechts brachen sich die in allen Blautönen schillernden Wellen am Strand, darüber leuchteten Wolken violett und rosa durch die untergehende Sonne. Regenbogen Strand trifft es hier ganz gut. Am nächsten Tag, heute, fuhr Darren uns zurück nach Gympie zu Steve. Sein Haus sieht aus wie ein Musterhaus aus einem Magazin für Einrichtungsvorschläge. Inklusive einem von Holzdelfinen getragenen Esstisch und einem Pool mit angrenzenden Entspannungssofas und asiatischer Statue im Garten. Aber wir wollen das echte Australien erleben, also fährt Steve mit uns zurück zu seiner Farm. Wir helfen ihm verlorene Kälbchen zurück zum Hof zu treiben, fahren im Stehen auf der Ladefläche seines Geländewagens mit, Steve hat für uns Brian angerufen, dieser wird morgen mit uns ausreiten, hat aber nur noch zwei Pferde, also haben wir die umliegenden Höfe nach einem dritten Pferd für uns abgeklappert und werden schließlich auch fündig. Rafa und Prisa werden uns morgen auf ihren Rücken bergauf und bergab, über Stock und Stein, durch hohes Gras und Flussbetten tragen. Ich kanns kaum erwarten, auch wenn das Probereiten nicht ganz nach Plan lief. Westernreiten ist echt nicht mein Ding, ich meine, die Sättel sind ja bequem und die Pferde ziemlich entspannt, aber mit der Lenkung will es einfach nicht so recht klappen. Alles irgendwie verkehrt herum. Klar, wir sind ja auch in Australien. Hier geht die Sonne im Osten auf, nimmt im Norden ihren lauf, wird im Westen untergehen und im Süden ist sie nie zu sehen. Verkehrte Welt! 
Bei uns ist die Sonne inzwischen untergegangen, von der Wand aus starren uns drei bemalte Gesichter an, draußen streiten sich Flughunde lautstark um die letzten Khakis und in unserem Zimmer drehen kleine Fledermäuse unruhig ihre Runden. Bevor wir schlafen gehen können, müssen wir das Bett noch von ihrem Kot befreien, aber ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass sie da sind. Diese Fledermäuse sind sicherlich zu klein, um die Kakerlaken in der Küche zu verputzen, aber sie halten zumindest unser Zimmer Insektenfrei. Als die Terrassentür aufgeweht wird, greifen Marei und ich gleichzeitig zu zwei Messern in der Küche, als wir bemerken, dass wir genau das gleiche gedacht haben, müssen wir beide lachen. Ok, ich gebe zu, vielleicht ist es ein bisschen gruselig, so ganz allein, nachts, mitten im Nirgendwo in einem alten Farmhaus zu schlafen. Wir versuchen uns zu erinnern, ob uns dieses Szenario aus Horrorfilmen bekannt vorkommt. Nee, das waren immer Gruppen und nicht bloß zwei Mädels. Wäre ja viel zu langweilig. Wir sind sicher. Trotzdem lasse ich den Cricketschläger vorsichtshalber neben meinem Bett stehen, man weiß ja nie.

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